2015


20. November 2015

Die heutige ausserordentliche Spendenfahrt führt mich wiederum in die Auffangstation in Tatárszentgyörgy, sie benötigen ganz dringend Futter für den bevorstehenden Winter. Wir waren überwältigt, wie viel Hundenahrung wir im Vorfeld von anderen Organisationen vermittelt bekamen und wie viele Blachen zusammen gekommen waren. Für uns war klar, ALLES muss mit, koste es was es wolle.

 

Am Freitagnachmittag um 17 Uhr startet der Movano-Bus Richtung Ungarn, diesmal mit Anhänger, so dass wir die rund 3 Tonnen Futter sowie die anderen Spenden wegpacken können. Damit wir schneller vorankommen, begleitet mich diesmal mein Lieblingsbeifahrer Jens. Da ausgerechnet nach dem nicht enden wollenden Prachtsherbst, das Wetter zu kippen drohte, wollen wir so rasch als möglich in Ungarn sein. So sind die Witterungs- und Strassenverhältnisse auch in der Tat nicht gerade die besten, aber es hätte schlimmer sein können. Samstag 13 Uhr kommen wir vor Ort an. Adriänn sowie ihre Helfer/-in erwarten uns bereits aufgeregt. Es bleibt nicht viel Zeit für lange Worte, da von oben Regen droht.

 

Weil unser Fahrzeug-Gespann den glitschigen Untergrund nicht bewältigen kann, müssen wir den Anhänger mit gemeinsamen Kräften und Schubkarre entladen. Das Futter findet Platz im neu gestellten Container, der kurz vor unserem Transport in Tatárszentgyörgy angekommen ist. Es macht riesige Freude all die Futtersäcke und -dosen im grossen Container sicher zu verwahren. Als der Anhänger leer und zur Seite gestellt ist, können wir mit dem Bus bis vor den Container fahren, so dass wenigstens der Businhalt effizienter entladen werden kann. Als das Futter an Ort ist und die anderen Spenden unter einer grossen Plane erstmal zwischengelagert sind, sehe ich nur glückliche, erleichterte Gesichter. Die bange Zeit der Futternot ist fürs erste vorbei und die Leute vor Ort können den kommenden Winter etwas beruhigter angehen. Es bleibt genug zu tun, die Versorgung der Tiere und der Unterhalt der Zwinger wird noch einiges an Zeit und Energie in Anspruch nehmen.

 

Heute ist ein grosser Moment – ein Hund kann die Reise in die Schweiz antreten. Es ist Baba, eine kleine schwarzmelierte Mischlingshündin. Sie hat bei meinem Besuch vom Oktober bleibenden Eindruck auf mich gemacht und ich habe mich entschieden, sie bei mir aufzunehmen. Sie scheint mir gut zu meinem Tibet-Terrier-Mischling, zu mir und meinem Alltag zu passen. Sie ist ganz schüchtern und es ist gar nicht so einfach, sie reisefertig zu machen. Am Ende schaffen wir es aber doch, sie in ihre Transportbox zu lotsen, wo sie sich gleich erleichtert in die Decken einkuschelt. Sie scheint sich sicher zu fühlen, in ihrer kleinen Höhle. Ihr künftiger Lebensgefährte liegt bereits in der Hundetransportbox nebenan und näselt verdutzt. Als es los geht, herrscht absolute Ruhe im Fahrzeug – dacht‘ ich mir’s doch – Baba ist Angyal sehr ähnlich, wartet einfach ab was da geschieht, ohne Murren, ohne Ungeduld.

 

Csaba, welcher uns tatkräftig beim Organisieren und Entladen vor Ort geholfen hat, lädt uns zum Nachtessen ein. Wir werden in seinem Zuhause kulinarisch verwöhnt und sprechen über verschiedenste Tierschutz- und andere Themen. All‘ zu lange können wir leider nicht bleiben, denn wir wollen unsere Hunde so bald als möglich in ihr Zuhause bringen. So starten wir um zirka 18 Uhr in Richtung Schweiz. Die Fahrt ist wetterbedingt zum Teil anstrengend, wir wechseln uns wacker ab und sind am Sonntag bereits zu früher Morgenstund‘ um 5h an der Schweizer Grenze. Um 8 Uhr verstummt der Motor fürs erste und wir befreien nun endgültig die geduldigen Hunde aus ihren Boxen.

 

Ganz herzlichen Dank den Spendern und Spenderinnen, die es ermöglicht haben, dass wir noch vor Wintereinbruch eine solch grosse Menge an hauptsächlich Futter, Decken und Blachen nach Ungarn bringen konnten. Auch grossen Dank an Roger und Serge Sommerhalder, Murgenthal, welche uns mit der Anhängervermietung unterstützen und an meinen Arbeitgeber, die COTRA Autotransport AG, welche meine Reisen und die Organisation im Vorfeld der selbigen unterstützt wo sie kann. Danke Jens für die Begleitung, Danke Andrea und Taina für Organisation und Arbeitseinsatz. Ich wünsche euch allen eine tierisch schöne Vorweihnachtszeit und viel Freude mit den treuen Begleitern!

Eveline

Heute, 2 Tage später, kommt es mir zuhause vor, als ob Baba bereits immer da war. Sie findet ihr neues Lebensumfeld total entspannend, geniesst die Ruhe und ist selbstsicher in den vier Wänden unterwegs. Draussen ist die Situation noch anders, aber das spielt keine Rolle, wir müssen auch noch etwas zum gemeinsamen Üben und Lernen haben!


10. Oktober 2015

 

Die heutige Spendenfahrt führt mich in die Auffangstation in Tatárszentgyörgy, welche OSMO bereits auf der letzten Fahrt mit den verschiedensten Notwendigkeiten versorgen konnte.

 

Am Freitagnachmittag um 17 Uhr startet unser Fahrzeug mit Futter, Hundebetten und anderen nützlichen Spenden, welche in Tatárszentgyörgy dringend gebraucht werden. Die Fahrt verläuft reibungslos, einige Staus, die etwas Geduld erfordern, ein kurzes Schläfchen und schon bin ich Samstag Vormittag um 11 Uhr 30 vor Ort, wo ich Adriänn Ronkoi aufs neue antreffe. Wir schauen uns als erstes in der Anlage um. Mir fällt sofort auf, dass es markant mehr Hunde geworden sind. Adriänn erzählt mir die Geschichten einiger Hunde. Viele werden in der Gegend einfach vor die Tür gestellt oder mit dem Auto ausgesetzt. Sie streifen durch die Landschaft und sobald sie entdeckt werden erfährt auch Adriänn davon. 

 

Einige sind gesundheitlich etwas angeschlagen, Augenentzündungen beispielsweise sind des öfteren zu erkennen. Viele Welpen sind vor Ort, eine Hündin hatte mit 1.5 Jahren bereits ihren zweiten Wurf, alle Hunde befinden sich in Tatárszentgyörgy, der „Verursacher“ hat bereits wieder 11 Welpen bei sich zuhause, der Nachwuchs einer anderen Hündin. Bei der jüngeren Generation ist ein Umdenken da, leider sind es oft die Menschen der älteren Generation, die einfach nicht hinhören wollen, keine vernünftige Einstellung zu Hundehaltung haben. Eine Kastration wird verweigert, weil sie das Geld nicht dafür ausgeben wollen, auch solche, die die Mittel problemlos aufbringen könnten. Dies ist und bleibt eine der Hauptursachen für diese immer neuen Schicksale.

 

Ich staune immer wieder, dass gerade diese Hunde, welche sicherlich zumeist nicht viel Positives mit Menschen erlebt haben, den Kontakt zum Menschen dennoch suchen. Zwei Hunde werden von einer jungen Helferin ausgeführt. Die Hunde geniessen ganz offensichtlich diesen kurzen Moment der Aufmerksamkeit, welche sie erhalten. Es berührt mein Herz aufs tiefste und ich frage mich, warum auch diese „verlassenen“ Hunde uns noch immer so viel Vertrauen entgegen bringen und mit uns zusammen sein möchten.

 

Wir laden die Spenden aus, sie werden erst einmal vor dem Haus zwischen gelagert, bevor sie dann etwas später an ihren Lagerplatz kommen. Besonders das „Dogloo“ hat rasenden Beifall erhalten und es war sofort klar, wer in den Genuss des neuen, trendigen Zuhauses kommen sollte. Es war die zutrauliche, liebesbedürftige Rottweilerhündin, welche vor kurzem unten auf der Strasse gefunden wurde, nachdem sie ausgesetzt und von einem Auto angefahren worden war. Sind wir gespannt, wie ihr ihr neues Zuhause gefallen wird.

 

Heute scheint mir Besuchstag, es kommen nochmals zwei Damen, welche sich für die Hunde interessieren. Ich drinke noch einen Schokokaffe mit Adriänn und fahre dann los in Richtung Budaörs, wo ich noch kurz bei Gabi Kun Kalman vorbei gehe. Natürlich kann ich mich nicht an ihren gemütlichen Tisch setzen ohne dass kurz darauf ein köstlich dampfender Teller mit einer eigens für mich gekochten Mahlzeit vor mir steht. Sie wärmt und nährt mich für meine bevorstehende Rückreise. Wir tauschen uns aus und Gabi erzählt mir noch einige Facts und Figures über die Anlage und Arbeit in Tatárszentgyörgy. Ein Stündchen später trete ich den Nachhauseweg an. Es ist ca. 18 Uhr als ich los fahre, ich gönne mir unterwegs für einmal rund 6 Stunden Schlaf im Bus und komme Sonntag Mittag in der Schweiz an.

 

Auch diesmal herzlichen Dank an Taina, welche die Reise vorbereitet hat, Andrea, die immer fleissig sammelt und Taina’s Lager füllt, den Spendern und Spenderinnen für ihre Unterstützung sowie den Helferinnen und Helfern in Ungarn, die sich unermüdlich und mit so wenigen Mitteln tagtäglich für die Hunde einsetzen. Ich wünsche ihnen vor allem über den Winter viel Kraft bei der Betreuung der Tiere.

Eveline


30. April 2015

Diese Spendenfahrt steht ganz unter dem Motto „Soforthilfe für Tatárszentgyörgy“! Diese Anfrage hat uns rund drei Wochen zuvor erreicht und wir konnten glücklicherweise innert nützlicher Frist eine Spendenfahrt realisieren. Die Auffangstation für Hunde wurde vom bisherigen Unterstützer aufgegeben und steht daher seit einiger Zeit ohne Mittel da.

 

Die Fahrt startet Donnerstagabend um 21 Uhr und gestaltet sich diesmal etwas mühsam wegen des Dauerregens, der den Transport hartnäckig zu begleiten scheint. Freitagnachmittag um 15 Uhr erreiche ich dennoch wohlbehalten mein Ziel. Das heisst vorerst die Hauptstrasse, entlang welcher sich die Anlage befinden müsste. Die Zieladresse scheint sich im Nichts zu verlieren und es sind sodann auch einige Telefonate und Hilfe vor Ort nötig bis dass ich die unscheinbare Einfahrt finde.

 

Das Gebäude befindet sich abseits der Hauptstrasse, Zugang verschafft ein einfacher unbefestigter, schmaler Weg. Ich werde offen und herzlich begrüsst von Adriänn Ronkoi, welche vor Ort lebt und sich um die Tiere kümmert. Sie wird unterstützt von Csaba Törincbi, welcher in der Nähe wohnt und regelmässig bei der Betreuung der Tiere und dem Unterhalt der Anlage mithilft. Die Station bietet rund 60 Hunden ein Zuhause. Mit einfachsten Mitteln wurden hier Gehege für fallweise 1 bis 3 Hunde erstellt. Alles macht einen einfachen aber ausserordentlich gepflegten Eindruck, die Hunde sind zum grössten Teil zutraulich, einige andere meiden vorerst den Kontakt.

 

Nach einem Begrüssungskaffe mit Kakao laden wir gemeinsam die Spenden aus und platzieren sie möglichst geschützt entlang des Hauses. Adriänn’s Deutsch ist erfreulich gut, so dass wir uns über verschiedenste Themen ausgiebig austauschen können. Die Station könnte so einiges gebrauchen. So notieren wir uns die einzelnen Punkte, damit wir von der Schweiz aus später gezielt Unterstützung anbieten zu können. Wir schauen uns noch gemeinsam etwas um und etwas später verabschieden wir uns zufrieden voneinander.

 

Ich fahre nach Budaörs, zu Gabi Kun Kalman, welche sich seit vielen, vielen Jahren für die Tiere in Ungarn stark macht und uns den Notruf für Tatárszentgyörgy hat zukommen lassen. Wir essen gemütlich ein leckeres Abendessen und diskutieren über die aktuelle Lage in den verschiedenen Tierheimen und den Tierschutz in Ungarn. Als es langsam Nacht wird, breche ich zum Heimweg auf. Die Witterungsverhältnisse sind etwas freundlicher und so komme ich Samstag um die Mittagszeit glücklich in der Schweiz an.

 

Ich danke Taina für die ganze Packarbeit, den Spendern und Spenderinnen für ihre Unterstützung sowie unseren ungarischen Kontaktpersonen für die interessanten, offenen Gespräche und ihren netten, gastfreundlichen Empfang.

Eveline

 


11. Februar 2015

Nach auskurierter Grippe starte ich Mittwochabend, 11. Februar 2015 um  20 Uhr mit dem Transporter Richtung Budapest. Das Wetter ist kalt aber stabil, der Verkehr hält sich in Grenzen und Donnerstag um 13.30 Uhr komme ich in Budapest an. Gabriella erwartet mich schon, der Empfang ist entspannt und herzlich. Zu viert laden wir die Spenden aus dem Transporter und verstauen sie gleich an Ort. Diesmal sind es vor allem Hundekekse und Futter, womit wir Gabriella’s Hunderettung unterstützen dürfen.

Nach dem Ausladen gehen wir durch die freundliche Zwingeranlage und begrüssen die Hunde, welche zurzeit hier ihre sichere Behausung haben. Sie alle sind wohlauf und, was auch immer ihnen widerfahren ist, voller Lebensfreude und Neugier. Ich staune, wie schnell sie auch auf einen fremden Menschen zugehen und mit ihm sehr wohlwollend und schwanzwedelnd Kontakt aufnehmen. Vor allem ein Hundepaar beschäftigt Gabriella, es sind Blanca und Enzo, zwei grössere Hunde mittleren Alters, welche hier zueinander gefunden haben und das Zusammenleben sichtlich geniessen. Auch sie nähern sich mir sofort an, Streicheleinheiten heischend, aufkommende Spiellust widerspiegelt sich in ihren Augen. Gabriella erzählt mir dies und das über die verschiedenen Tiere, die Fakten, die ihr bekannt sind, der Rest bleibt auch für sie im Verborgenen.

So gegen 15 Uhr verabschieden wir uns und sind alle glücklich, dass wir ein klein wenig hier für die Tiere hier in Ungarn tun können. Ein schöner Sonnenuntergang zeigt sich auf meiner Rückfahrt, eine nebelreiche Nacht begleitet mich auf meinem Weg nach Hause. Irgendwann in der Nacht verstummt der Motor und ich freue mich auf meine Tiere zuhause.

Wir danken allen Engagierten, die mit ihren Sachspenden die Grundlage für diese Reise ermöglicht haben und freuen uns, Gabriella bald wieder mit einem Transport unterstützen zu können.

Eveline


14. November 2014

Freitagnacht, 22 Uhr, verlasse ich meine Komfort-Zone und starte mit dem Transporter nach Ungarn, Fahrzeug gecheckt und professionell beladen; Futter, Zubehör, Decken, Körbe, um nur einiges zu nennen, warten fein säuberlich verpackt und gestapelt darauf, dorthin gebracht zu werden, wo man es am nötigsten braucht. Showtime! Auf menschenleeren Strassen geht die Fahrt über viele Autobahnkilometer hinweg Richtung Budapest. Spannend und langweilig zugleich, die Gedanken kreisen, der Blick versucht sich tapfer dort zu halten wo er hingehört, während der Transporter wacker seine Räder auf die Fahrbahn presst und unaufhaltsam auf sein Ziel zusteuert. Nach rund 11 ½ Stunden Fahrzeit und einer Kurzschlafpause von knapp 2 Stunden ist das Ziel erreicht, am Ende einer kleinen Strasse mitten in Budapest, befindet sich TSV Ebremeny.
Eine grosse, unüberwindbare Mauer mit Tor steht vor mir und lässt zwiespältige Gefühle aufkommen. In der Strasse geht eine junge Frau mit einem Mops Gassi, sie hilft in der Auffangstation mit. Trotz der sprachlichen Hürden, beinahe ebenso unüberwindbar wie die Mauer vor der ich stand, schaffen wir es, das Entladen des Transporters zu organisieren. Die Spenden werden von eifrigen Helfern ausgeladen und zügig im gedeckten Unterstand verstaut. Englisch, der Weltsprache-sei-Dank, kann ich mich mit einem der Helfer unterhalten. Er hat sich auf die Rettung von Hunden der Gattung Mops spezialisiert. Wir unterhalten uns über seine täglichen Probleme und Sorgen, Themen wie Nachhaltigkeit und Missstände bei Zucht und Tierschutz liefern nicht enden wollenden Gesprächsstoff. Es bleibt dennoch Zeit für einen kleinen Rundgang. Es sind zum Zeitpunkt meines Besuchs nur wenige Hunde in der ansprechenden, freundlich wirkenden Anlage. Sie machen einen entspannten, ja fast fröhlichen Eindruck. Als ich mich umdrehe und sie mir nachblicken, wünschte ich mir so sehr, dass ihr Weg von nun an nur noch von Liebe und Respekt geprägt sein wird.
Noch einige Infos und Abschiedsworte in Englisch, das schwere Tor schliesst sich und ich trete die Heimreise an, die Reise in meine kleine Welt. Auch die Rückfahrt steht unter wohlwollenden Sternen, stabiles Wetter, freie Fahrt und 2 gemütliche Stunden Schlaf zwischendurch. Sonntagmorgen 6 Uhr verstummt der Motor, zufrieden dürfen wir sein mit dem Erreichten und dankbar, dass alles reibungslos geklappt hat. Danke allen Beteiligten, Herzlichen Dank den Spenderinnen und Spendern!

Eveline